Wie er feiert, mit wem oder wann? Rainer Sinell hat zur Zeit viel mit dem KÄFIG VOLLER NARREN am Münchner Gärtnerplatz- Theater zu tun. Und da ist der Termin zur Feier seines 50-jährigen Bühnenjubiläums zweitrangig. Alles fing an, als er kurz nach dem Studium von Intendant Helge Thoma an die Städtischen Bühnen geholt wurde und dann 13 Jahre lang maßgeblich zum Glanz von „Augsburgs goldener Theaterzeit“ beigetragen hat.
Über 50 Bühnenbilder, von Brechts „Heilige Johanna der Schlachthöfe“ bis zur legendären Aufführung im Fugger-Damenhof der „Schwäbischen Schöpfung“ von Robert Nägele, sind eine stolze Bilanz. Sie bildete in der Folge das Fundament einer beispielhaften Karriere mit Engagements an den wichtigsten Theaterplätzen im deutschsprachigen Raum und Italien, unter vielen anderen Ehrungen 2015 ausgezeichnet mit dem Deutschen Musical-Theaterpreis.

An die „Schöpfung“ im Fugger-Damenhof mit Cornelia „Conny“ Glogger denkt Sinell gern zurück
„Ja. die ‚Schöpfung´. Das war eine Arbeit, an die ich besonders gerne zurückdenke“ schwärmt Rainer Sinell bei seinem Besuch in der AUGSBURG JOURNAL-Redaktion. „Die Rolle von Adams Eva hatte damals eine junge Schauspielerin. Jetzt habe ich sie nach 40 Jahren zufällig wieder getroffen. Ihr Name: Cornelia „Conny“ Glogger. Nach Bühnen-, Film- und TV-Erfolgen ist sie heute Moderatorin beim Bayerischen Rundfunk und macht die Sendung mit Interviews auf der blauen Couch.“
Ein interessantes Dokument von Rainer Sinells Bühnenschaffen ist der Bildband „Städtische Bühnen – 1981 bis 1991“. Es war eine Ära der kongenialen Teamarbeit. Intendant Helge Thoma erreichte brillante Besucherzahlen mit einem Spielplan, der sowohl der Klassik verpflichtet war, aber immer wieder Experimente wagte und auch modernen zeitgenössischen Werken eine Chance gab.
Rainer Sinells jüngster Erfolg: Das Musical „La Cage aux Folles – Ein Käfig voller Narren“
„Ich hatte eigentlich immer Glück“, blickt der in Berlin aufgewachsene Sinell zurück. „Als ich gefragt wurde, was ich einmal werden wollte, meinte ich: Was mit Literatur und Kunst. Ja klar, dann machste Bühnenbildner“. So absolvierte er die Hochschule der Künste, einjähriger Studienaufenthalt in New York. Nach Jobs in Freiburg und Wiesbaden die „Landung“ in Augsburg. Es folgten die Deutsche Oper Berlin, das Wiener Burgtheater, Grand Theatre de Bordeaux, Washington Opera, die Staatsopern Hamburg, Leipzig, Wien, Florenz und viele, viele mehr. Es ist keine Übertreibung, wenn er von jüngeren Kollegen als „Legende“ verehrt wird.
Aber auch als 80-Jähriger hält der Bühnenzauberer immer noch nichts von der Rente. Dafür sorgt schon Gärtnerplatz-Intendant Josef E. Köpplinger. Sie lernten sich in den 1980er-Jahren in Augsburg kennen. Der junge Österreicher und Rainer Sinell feierten damals mit der Operette „Der Graf von Luxemburg“ einen aufsehenerregender Erfolg. Seit dieser Zeit gilt das Duo über die Jahrzehnte als Garant für erfolgreiche Bühnenproduktionen. Jüngstes Beispiel: Das Musical „La Cage aux Folles – Ein Käfig voller Narren“, mit Premiere am Münchner Gärtnerplatz-Theater. Regie: Köpplinger, Bühnenbild: Sinell. Ergebnis: Ovationen. Wenn das so weitergeht, wird die längst fällige Jubiläumsfeier weiterhin auf sich warten lassen.