Geschichte wird gemacht, heißt es im Liedgut und dieser Tage auch beim FC Augsburg in der Fußball-Bundesliga. Beim – sportlich weniger berauschenden – 1:1 gegen die TSG Hoffenheim machte der FCA gleich mit drei Rekorden Schlagzeilen. Erste Großtat: Samuel Essende ist der neue Bundesliga-Blitzjoker. „Es war das schnellste Joker-Tor seit Beginn der Datenerfassung“, schreiben die Fußball-Experten vom Kicker, und was sie schreiben, wird ja wohl stimmen. Exakt 15 Sekunden lief die zweite Hälfte in Sinsheim, da ließ Essende es klingeln. Er war gerade eben erst zur Halbzeitpause eingewechselt worden. Nicht nur mancher Fan, auch Trainer Jess Thorup hatte bemerkt, dass dieses nicht der Tag von Stürmer Phillip Tietz war, der weichen musste. Welch ein Glücksgriff, den der Joker mit dem 1:0 rechtfertigte (46. Minute).
Über 20 Minuten sah es danach aus, als könnte der „Dauer-Rekord“ des FCA-Keepers Finn Dahmen Bestand behalten. Dahmen, der einst einen Minus-Rekord aufgestellt hatte, als er 37 Spiele lang immer mindestens ein Gegentor kassierte, der hielt jetzt seinen Kasten mehr als elf Stunden lang sauber. Bis es zur wohl umstrittensten Szene des gesamten Spieltags kam. Bei einem Klärungsversuch im eigenen Strafraum sprang der Ball aus nächster Nähe gegen den Arm und die Hand von FCA-Spielführer Jeffrey Gouweleeuw. Freilich wies der jede Absicht von sich, versuchte, den drohenden Strafstoß noch abzuwenden. Fassungslosigkeit auch in den Augen der FCA-Spieler und Verantwortlichen und bei den Fans auf den Rängen. Allein: Schiedsrichter Tobias Reichel ließ sich von seiner Meinung nicht abbringen, wollte auch keine Video-Bilder sehen und gab den Strafstoß. Eine Chance, die sich Hoffenheims Andrej Kramaric nicht nehmen ließ (71.) Und damit war sie Geschichte, die Serie von Finn Dahmen. 683 Minuten ohne Gegentor und dann so etwas, das ließ manchen Fan zürnen. Wie gut, dass Dahmen selbst schon vor Wochen erklärt hatte, dass im Zweifel ein 2:1-Sieg mit drei Punkten, der ihn seine Serie kosten würde, für den FCA jedenfalls besser sei als ein 0:0-Unentschieden, das ihn seine Serie fortsetzen ließe.
Nach 15 Sekunden hat es schon geklingelt
Das mit den drei Punkten klappte dann in Hoffenheim allerdings auch nicht, zu wenig energisch bedrängte der FCA im Endspurt das Tor der schwächelnden Rheinpfälzer. 1:1 hieß es am Ende, das aber war zumindest gut für Schlagzeile Nummer 3: Der FC Augsburg setzt seine Serie der ungeschlagenen Spiele fort. Deren elf sind es inzwischen, was die Fuggerstädter auf Tabellenplatz 8 steigen ließ.
Trainer Thorup war sich einmal mehr treu geblieben mit seinem Vertrauen auf ein eingespieltes Team. Wie zuvor gegen Wolfsburg hatte der FCA in Sinsheim begonnen mit Finn Dahmen im Tor, vor ihm standen in der Abwehr Chrislain Matsima, Jeffrey Gouweleeuw, Cedric Zesiger, dazu Marius Wolf und Dimitrios Giannoulis. Im Mittelfeld starteten Frank Onyeka, Elvis Rexhbecaj, Frederik Jensen und Alexis Claude-Maurice sowie als einzige Sturmspitze Phillip Tietz.
Ob das auch die Startelf für das nächste Bundesligaspiel sein wird? Am kommenden Freitagabend steht dem FCA eine zweifellos interessante Aufgabe bevor. In der heimischen WWK-Arena geht es ab 20.30 Uhr gegen den FC Bayern, der zwar auf dem Weg zur Meisterschaft ist, der aber dieser Tage zu Nachlässigkeiten zu neigen scheint. Am Samstag gab es ein knappes 3:2 der Bayern gegen Aufsteiger St. Pauli. Und nun drückt beim Rekordmeister die Thomas-Müller-Dämmerung auf die Stimmung, der keinen Vertrag mehr bekommen soll. Schau mer mal, wie sich das „aufm Platz“ auswirkt.
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