Wenn am 5. April die Ringglocke läutet, geht es für Tina Rupprecht um nicht weniger als die Vollendung ihres Lebenswerks.
Im Kampf gegen Sumire Yamanaka kann die Boxerin etwas erreichen, das es im Deutschen Boxen so noch nie gegeben hat. Den Status als Undisputed Championess, sprich als unumstrittene Weltmeisterin einer Gewichtsklasse, die alle Gürtel der vier größten Boxverbände vereint. Es wäre der letzte Schritt einer bis dato praktisch makellosen Karriere.
„20 Jahre Arbeit stecken hinter diesem Kampf“, erklärt Tiny Tina mit einem Lächeln. Die Karriere der 32-Jährigen, die im Alter von 12 Jahren mit Kickboxen begann, nahm nach ihrem Debüt als Profiboxerin im Dezember 2013 rasant an Fahrt auf. Bereits im Oktober 2016 boxte sie um ihren ersten Gürtel, damals noch der WBC Silver im Minimumgewicht. Mittlerweile ist sie ehemalige fünffache WBC-Weltmeisterin im Minimumgewicht sowie aktuelle Weltmeisterin im Atomgewicht der Verbände WBA, WBO und WBC. Dazu wurde ihr als beste Boxerin ihrer Gewichtsklasse der Ring Magazine Weltmeistertitel verliehen. Eine besondere Ehre, die als letztem Deutschen Profiboxer Max Schmeling im Jahr 1930 zuteil wurde. Mit dem Erringen des noch verbleibenden IBF-Titels könnte die Augsburgerin ihre Titelsammlung komplettieren.
Entsprechend groß ist die Vorfreude auf den Kampf in Potsdam, der live im MDR übertragen wird. „Es würde mir alles bedeuten, ich habe schon sehr, sehr viel erreicht, das wäre das i-Tüpfelchen“, so Rupprecht. Ähnlich wie beim klaren Sieg gegen Eri Matsuda im November möchte sie auch Yamanaka im Ring keine Chance lassen. Besonders ist ihre kommende Kontrahentin schon alleine im körperlichen Sinn. Denn diese ist mit einer Größe von 1,46 Metern sogar noch deutlich kleiner als Tiny Tina (1,53 Meter). Eine ungewohnte Konstellation, die nicht unbedingt ein Vor- oder Nachteil sein muss. „Es wird auf jeden Fall anders, sie wird kaum versuchen, mich auf Distanz zu halten“, scherzt Rupprecht, die von ihrem gewohnten Stil aber auch nicht großartig abrücken möchte. Gegen die flinke Rechtsauslegerin wird es vermutlich noch etwas mehr als sonst auf ihr enormes Tempo ankommen.
Tina Rupprecht: Der Schlüssel liegt in der Vorbereitung
Den Schlüssel für den 15. Sieg im 17. Profikampf – eine Niederlage, ein Unentschieden – sieht Rupprecht in der intensiven Vorbereitung. Mittlerweile Standard ist als erster Schritt das grundlegende Fitnesstraining bei Sepp Maurer in der Sportschule Kinema im Bayerischen Wald. Der zweite Schritt, das Sparring mit anderen Boxerinnen, die im Idealfall ähnliche Voraussetzungen mitbringen, wie die nächste Gegnerin, stellte die Augsburgerin in der Vergangenheit vor Probleme. Die Auswahl in Deutschland und Umgebung war einfach zu sehr begrenzt. Deshalb entschied sich Tiny Tina gemeinsam mit ihrem Coach Alexander Haan bereits vor dem letzten Kampf für ein zweiwöchiges Trainingslager in Usbekistan. Ein echter Glücksfall, wie sich herausstellen sollte. „Für mich ist es der ideale Trainingsstandort. Hier gibt es viele gute Mädels, Usbekistan ist eine wahnsinnig starke Boxnation“, so Rupprecht. Deshalb findet die boxspezifische Vorbereitung auf den größten Kampf ihrer Karriere wieder im Kurort Yangi Obod statt, „Es ist ein Mini-Dorf mit wenigen Hundert Einwohnern. Hier gibt es sonst nicht viel, nur Boxerinnen und Boxer, die ihr Trainingslager absolvieren.“
Gestärkt aus diesen zwei Wochen puren Fokus auf das Boxen, geht Tina Rupprecht voller Zuversicht in den Kampf am 5. April. Ihre Familie, Freunde und viele Weggefährten aus dem Boxclub werden dabei sein, wenn sie in der MBS Arena das nächste glorreiche Kapitel deutsche Boxgeschichte schreiben will. Was danach kommt, ist offen, im Falle eines Sieges ist nur eines klar: „Da muss ich in der Wohnung etwas umstrukturieren, um die ganzen Gürtel unterzubekommen”, so Rupprecht lachend. Bis dato liegt der volle Fokus allerdings ganz auf der Vollendung ihres Lebenswerks.
Wer mehr über die Augsburger Boxweltmeisterin erfahren möchte, der kann in Rupprechts eigenen Podcast mit dem Titel „Kampfgeist” reinhören. In der neuesten Folge spricht die 32-Jährige über den anstehenden Kampf und die große Chance zur Vereinigung aller relevanten Titel im Atomgewicht.
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